Antriebslos bewältige ich den Tag. Je weniger ich mache, zu umso weniger kann ich mich aufraffen. Ich stelle mir den Wecker um zur Vorlesung zu gehen und schalte ihn wieder aus, um weiterzuschlafen. Ich gehe ein bisschen arbeiten. Zwischendrin mache ich irgendwas zu essen. Und mache dann irgendwas anderes. Meistens am Computer. Zuletzt Serien schauen, das schaltet die Langeweile in meinem Leben ab und katapultiert mich kurz an andere Orte. Am Wochenende sehe ich Freunde, die in Wirklichkeit eher soziale Kontakte sind.
Es ist langweilig. Mein Studium interessiert mich inhaltlich als solches ungemein, doch die Veranstaltungen und das zuhause Lernen packen mich nicht. Ich fühle mich nicht anonym unter meinen Kommilitonen, aber nicht aktiv eigebunden ins Studieren als solches. Ich bin ein Beobachter. Ich kann mich nicht fachlich mitteilen, nicht diskutieren, niemand fordert mich persönlich heraus. Leise, aber spürbare Zweifel kommen auf. Vielleicht hätte ich doch an die FH gehen sollen, ein bisschen praktischer in einer kleineren Gruppe studieren.
Um mich anzutreiben für den Tag brauche ich Vorfreude auf irgendwas und sei es noch so klein, einen Grund aufzustehen. Zu Beginn war es die Hoffnung meinen jetzigen FB in der Uni zu sehen. Letztes Jahr während der Arbeit waren es bestimmte Ereignisse, Ergebnisse, Termine, die den restlichen Tag überstrahlt haben. In der Schule war es dann eins von 7 Fächern, was ich an dem Tag mochte, was mich die anderen hat akzeptieren lassen. Die Angst an dem Tag vielleicht etwas Witziges zu verpassen.
Nichts was passiert und nichts was ich mache scheint einen Unterschied zu machen. Nichts reizt mich, nichts erregt meine Vorfreude. Auch ob ich da bin oder nicht, macht keinen Unterschied. Kein Abenteuer weit und breit. Die Spannung um den FB ist auch verflogen. Ich kann alles genauso gut machen wie sein lassen. Meine Emotionen, meine Fantasie, mein Ehrgeiz, mein Witz sind unterfordert und scheinen nutzlos.
Vergeblich habe ich bisher versucht eine Gruppe ausfindig zu machen, in der ich mich engagieren kann, denn all die Themen sind mir nicht nah genug an dem, was mich beschäftigt. Und doch weiß ich, dass ich unbedingt irgendetwas finden muss, an dem mein Herz hängen darf und das mein Leben mit Sinn füllt, ein Ventil und eine Inspiration zugleich, eine Leidenschaft, denn sonst werde ich in meinem Zimmer still versacken. Etwas weckt mein Interesse, wenn ich selbst eine Rolle spielen kann und wenn etwas Potential hat, das ausgeschöpft werden muss, Raum für Wachstum. Anerkennung und das Gefühl etwas Positives zu bewirken stellen persönlichen Erfolg für mich da. Und Noten funktionieren leider nicht, sie sind zu starr und zu stumm.
God help me, es ist wirklich höchste Eisenbahn.
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